Sonntag, 30. März 2014

Ist Deutschland bereit für mehr Männer in Kitas?

Falls Ihr zu dem bedauernswerten Teil der deutschen Gesellschaft gehört, die in der Zeit von 2007 bis 2010 mindestens 1,36 Kinder in die Welt gesetzt habt, dürfte das Projekt »Mehr Männer in Kitas« nicht an Euch vorbei gegangen sein.
(c) "mehr Männer in Kitas" - AWO Hagen-Mk
Der eine oder andere mag sich darüber hinaus vielleicht noch an überdimensionale Großporträts junger, gutaussehender Herren erinnern, die anstelle der Zigarettenwerbung von den Plakatwänden strahlten. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Europäische Sozialfonds für Deutschland (ESF) haben in der Zeit von 2011 bis 2013 etwas über 13 Millionen Euro lockergemacht, damit wir die bereits vorhandenen männlichen Fachkräfte in den Kindertagesstätten auch endlich als solche wahrnehmen. Drei Jahre Projektarbeit sind zum Ende des Jahres 2013 abgelaufen, die Männer wieder in ihrer Kita untergetaucht und zahlreiche Werbeagenturen und Druckereien um einige Euronen deutschen Steuergeldes reicher. Hat sich die Investition gelohnt?

Eine vielversprechende Idee wurde geboren


Die Idee des Bundesministeriums klang vielversprechend - jedenfalls theoretisch auf dem Papier, was irgendjemand in irgendeinem Büro an irgendeiner Stelle beschrieben hatte. Dort wird »Mehr Männer in Kitas« als Arbeitsgemeinschaft zwischen dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Kinder sowie den jeweiligen Bundesländern nebst Kommunen bezeichnet, um die Anzahl männlicher Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen zu erhöhen. Gleichzeitig wollte man die Qualität der Kindertagespflege sichern und natürlich verbessern. Toller Einfall. Zur Umsetzung dieser Projektidee bekamen die Probanden 13,25 Millionen Euro an die Hand und drei Jahre Zeit.


Die männliche Fachkraft - Aufzucht und Pflege


(c) "Mehr Männer in Kitas" - AWO Hagen-Mk
Es soll ja Kindertagesstätten in Deutschland geben, wo männliche Fachkräfte neben ihren weiblichen Kolleginnen bereits existieren dürfen. Diese besondere Spezies ist von Haus aus relativ einfach zu Händeln und stellt in der Regel nur geringfügige Erwartungen an seine Umgebung. Achtet bei der Unterbringung gegebenenfalls auf eine entsprechende Herrentoilette und traut dem männlichen Mitarbeiter mehr zu, als Kaffee kochen, Spielzeug instandsetzen und Gruppenräume fegen. Damit ist ihr neuer Kollege schon fast wunschlos glücklich.


Sag mir, wo du arbeitest und ich sage dir, welches Geschlecht du hast!


Warum sage ich das? Weil trotz aller Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter, die Frauen in den Kitas, häufig auch in den Grundschulen dominieren. Ich wurde seinerzeit sogar von »Tante Erika« durch die Kindergartenzeit geführt, der Göttergatte von »Schwester Lisbeth«. Kindergärtner - ich liebe dieses Wort und werde darauf sicherlich noch einmal genauer eingehen - beglücken uns erst seit Arnold Schwarzeneggers Film »Der Kindergarten-Cop« mit ihrer vermehrten Anwesenheit. Allerdings stammen die meisten Einrichtungen aus einer Zeit, in der auf männliche Präsenz verzichtet wurde. Kaum eine Kita kann getrennte sanitäre Einrichtungen - sprich: Damen- und Herrentoiletten - ihr Eigen nennen. Was für den männlichen Kita-Kollegen vielleicht noch »normal« ist, kann bei dem einen oder andern Vater für Verwirrung sorgen. Ich denke da nur an die Väter mit Migrationshintergrund. Alles halb so schlimm, sagt ihr? Aber stellt euch mal vor, meine Damen, ihr müsstet euch in eurem Betrieb als einzige Frau eine Toilette mit allen männlichen Kollegen teilen ...

Männliche Präsenz im Kindergarten - ja bitte, mehr davon!


Die Zeiten ändern sich glücklicherweise auch in Deutschland fortwährend. Männer sind aus den Kitas nicht mehr wegzudenken. Sieht man einmal von den spärlich gesäten männlichen Mitarbeitern ab. Dank der Elternzeit können immer mehr Väter den Familiendienst übernehmen und sind damit auch in der Kita präsent. Auch zu den Abhol- und Bringzeiten zeigt sich der moderne Vater gern einmal inmitten der ganzen Muttis, außerdem gibt es zunehmend mehr Veranstaltungen in den Kindertagesstätten, welche speziell Väter und Großväter ansprechen. Die Angebote werden genutzt wie die Kindertagesstätte "Springburg" aus Iserlohn erneut beweist, wenn auch zögerlich und oft verhalten. Schließlich ist man(n) so viel Aufmerksamkeit noch nicht gewohnt.

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Seht Ihr da unten die Kommentarleiste? Ja, genau die! Schreibt mir dort eure Erfahrungen zum Thema hinein. Ihr seid ein Mann und arbeitet als Erzieher, dann schildert mir euren Arbeitsalltag. Ihr seid eine weibliche Erzieherin und habt keine Lust euer Betätigungsfeld mit einer männlichen Fachkraft zu teilen: Auch Ihr seid willkommen mit euren Kommentaren.

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Der Artikel hat euch interessiert? Dann lest nächsten Montag weiter: 

Was macht man(n) denn in der Kita?

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