Samstag, 19. Januar 2013

Experiment Sellerieschnitzel abgeschlossen

Nein, es schmeckt nicht wie ein richtiges Schnitzel. Und nein, wir werden es auch nicht noch einmal ausprobieren.
Das einzige, was an ein ECHTES Schnitzel erinnerte, war dieser beißende Qualm von verbrannten Paniermehl in meiner Küche. Dass unser Rauchmelder nicht angesprungen ist, lag einzig und allein daran, dass die Batterien leer sind.
Mit viel Fantasie sieht es dem Original ähnlich - allerdings nur, wenn die Brille mit Fettspritzern übersät ist!

"Das sieht aber nicht mehr gut aus", meinte der Göttergatte, als ich den gekochten Sellerie in Scheiben schnitt. Angewidert rümpfte er die Nase.
"Sieht aus wie geschnittenes Gehirn..."
"Ja, ist gut jetzt. Raus aus meiner Küche!"
"Jungs, Mama macht wieder Experimente", hörte ich den Göttergatten im Wohnzimmer flöten und schüttelte den Kopf.

Auf dem Teller machte das Sellerie-Schnitzel eine gute Figur. Es präsentierte sich mit goldbrauner Kruste und lächelte uns verführerisch an. Leider stieg zwischen dem verbrannten Paniermehl-Geruch immer wieder ein Duftwolke Sellerie in meine Nase, was den Genuss schmälerte. Sellerie riecht eben wie Sellerie und nicht wie Schweineschnitzel! Der Göttergatte stocherte in seinem Essen herum. Er hatte diesen Blick, der mir sagte, er würde lieber beim Döner-Mann seines Vertrauens vorbei fahren wollen...

Die Große hat sich kurz vor dem Abendessen dafür entschieden, krank zu werden (so entkam sie dem Sellerie). Der Mittlere zog eine Schmollschnute, nachdem er merkte, dass ich ihn mit dem Schnitzel veräppelt habe - einen echten Fleischfresser kann man kein X für ein U vormachen.

Nur dem Jüngsten hat es geschmeckt. Vielleicht lag es daran, dass er Schnupfen hatte und seine Geschmacksnerven etwas beeinträchtigt waren - wer weiß das schon! Er stopfte die geschnittenen Stückchen genussvoll in die Schnute. Der Göttergatte musste vom Tisch aufstehen, weil er wegen des unterdrückten Lachens keine Luft mehr bekam... Bis unser Jüngster merkte, dass mit dem Schnitzel etwas nicht stimmte, war sein Teller leer!

"Das ist eindeutig dein Kind", bemerkte der Göttergatte trocken. 

Und wer bei seinen Lieben das Gesicht des Grauens einmal Live erleben will, für den ist hier das Rezept.

Kommentare:

  1. You made my day! Herrliche Geschichte, super geschrieben, ich fühlte mich, als säße ich in der Ecke Eurer Küche und sähe zu. Und: mir würde es ähnlich gehen. Obwohl: nein, vermutlich nicht; denn ich wäre wohl nie auf die Idee gekommen, Sellerie überhaupt in dieser Form zu verarbeiten

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    1. Ich habe das Experiment auch dem netten, alten Gemüseverkaufs-Opa vom Markt zu verdanken.
      Der meinte: "Die Knolle kochen, schneiden, panieren und fertig. Müssen Sie probieren. Man schmeckt keinen Unterschied."

      Und ich in meiner leichtgläubigen Art - naja, lassen wir das. Ich werde mich demnächst mal bei beschweren ...

      Einen schönen Sonntag wünsche ich
      Sandra

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  2. Hallo Sandra,

    ick staune, Dein Schreibstil hat einen Quantensprung nach oben gemacht! Habe schallend gelacht, hättest uns ja die Reste rüberbringen können ...

    Mahlzeit

    Michael

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    1. Glaub mir, das hättet nicht mal ihr gegessen! Und, vielen Dank für die Blumen ;-)

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  3. Das Experiment kommt mir bekannt vor ... mit ähnlichen Ergebnissen. Mit Kohlrabi hat es besser funktioniert, der schmeckt ja auch nicht nach Sellerie und wurde von Anfang an als paniertes Gemüse verkauft :D

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    1. Ei - an Kohlrabi habe ich noch gar nicht gedacht. Mensch danke! Da hast du was gut. (aber nur, wenn es funktioniert ;-) )

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  4. Mach lieber Selleriepommes in der Pfanne. Das geht sogar ohne Fett (aber natürl auch mit) und die sing lecker - je nachdem wie du sie würzt...

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