Montag, 16. April 2012

Teil 2 meiner wunderlichen Reise mit dem Zug quer durch Deutschland

Der ein oder andere mag sich erinnern - da war doch mal was Verrücktes mit einer Zugfahrt quer durch Deutschland. Genau darum geht es, es wird quasi die Fortsetzung des ersten Teils, welcher sich von Dortmund nach Hannover schlängelte und dort abrupt endente.

In Wirklichkeit wurde die Reise ab Hannover erst richtig interessant. Die Landschaft veränderte sich zunehmend. Statt schnöder geradliniger Felder-Wälder-Dingsbums wechselten sich jetzt hunderte Tunnel in den unterschiedlichsten Längen ab. Zwischendurch zogen sich die Wolken dichter zusammen und ein übler Regenguss verhagelte uns denn Rest der Sicht. Und als wir in Kassel-Wilhelmshöhe einfuhren und uns im dortigen "Palast der Winde" die Kopf durchpusten ließen, war ich dank Müdigkeit und Kaffeeentzug soweit aus der 'Schiene' geworfen, dass ich mir ein nettes, kleines 2-Wochen-Frühstücksabo der Süddeutschen Zeitung habe andrehen lassen.
Mein Mitfahr-Agent hätte mir sicherlich gern in väterlicher Manier den kleinkindlichen Hintern versohlt, weil ich es mal wieder geschafft habe, innerhalb von 15 Minuten Aufenthalt auf eine arme, mir leidtuende Studentin hereinzufallen, die Abos an vorbeieilende Reisende verteilte. (Ich muss zugeben, ich war so überwältigt vom Kasseler Bahnhof... ähem) Auf der anderen Seite bin ich einfach in die Ich-Kann-Doch-Nicht-Nein-Sagen-Falle getreten, weil ich die arme Studentin sehr sympatisch fand und ich mich mit der Süddeutschen hätte gut weiterbilden können...

Nach Kassel wurde sowieso alles anders: Die Sonne schien, die ersten Hügel kamen zum Vorschein und mein Mitfahr-Agent und ich packten unsere Fresspakete aus. Nächster Halt wäre dann planmäßig um 15:05 Uhr in München. Bis dahin hätten wir genügend Zeit zum Entspannen. Immerhin hatte ich ein Buch dabei (Wie hieß das doch gleich? Ach ja, und ne Süddeutsche Zeitung hatte ich ja auch noch...)

Wieder war der Zug pünktlich und wieder war der Zug voll, doch diesmal nicht so voll, dass wir keinen Sitzplatz hätten kriegen können. Gemütlich, so gut es eben geht in einem viel zu engen Zug, schmissen wir uns auf die ersten beiden Sitze ohne Reservierungsschild und belagerten die Plätze mit Feuereifer. Vor uns saß ne Oma und davor saß eine lustige Reisegruppe aus Oberbayern... woran wir das erkannt haben? Als ob man Oberbayern nicht aus tausenden von Menschen heraushören würde... vor allem, wenn sie Skat spielen!
Dann fuhr unser Zug pünktlich in den Bahnhof von Würzburg ein und stand. Nach zehn Minuten stand er immer noch und keiner wusste warum. Die Zeit verging, 15 Minuten, 20 Minuten... dann kam die Durchsage: "Sehr geehrte Fahrgäste, die Weiterfahrt verzögert sich um wenige Minuten, weil wir noch eine schriftliche Weisung bekommen."


Mein Sitznachbar und ich sahen uns an. Eine schriftliche Weisung? Vielleicht etwas wie:
  • "Erwartet an Kilometer 198 ein selbstmörderisches Kamikazefrettchen mit roter Bommelmütze." oder 
  • "Überfahrt die Schafherde langsam!" oder 
  • "Fahrt auf Sicht und achtet auf umherfliegende Maikäfer."


 Und dann fuhr der Zug los... nun, fahren konnte man das nicht nennen, denn ein fußkranker Renter war schneller als unser ICE. Wenige Meter später wussten wir dann warum: Da hats einen zerschlagen! Der Zug fuhr in Schrittgeschwindigkeit am Unfallort vorbei, wo die Polizei mit blauen Müllsäcken die Einzelteile eines ehemaligen Mitmenschen zusammensammelte. Der Polizeifotograf knippste und der Leichenwagen stand am Rande der Gleise. Unser Zug wurde auf das einzig befahrbare Gleis umgeleitet und konnte mit knapp 25 Minuten Verspätung die Weiterfahrt antreten. Um 14:32 Uhr hatten wir 299 km/h drauf und der wagemutige Zugführer versuchte die verspäteten Minuten aufzuholen. Die Oberbayern im Abteil johlten, als die 300er Marke geknackt wurde und einer meinte: "Doa lasst ers krochan!" Leider krachte es nicht so gut, dass wir unseren Anschlusszug bekommen haben und München konnte uns für eine Stunde als Touristen beherbergen.

Willkommen im Hauptbahnhof München!

1 Kommentar:

  1. Werte Autorin, geschätzte Frau Nachbarin,

    wunschgemäß und pflichtschuldigst entbiete ich unter Absingen der Nationalhymne der Deutschen Bahn meinen Kommentar zur obigen Fortsetzung der hochwohllöblichen Schilderung einer bemerkenswerten Rundreise durch Deutschland, an der ich in sito teilzunehmen beliebte.

    Was hatte ich gerade geschrieben ? Ah, nichts bis hierher.

    Dann mal etwas inhaltliches, falls Korrekturen genehm sein sollte. Falls nicht, ist es mir aber eh schnurz ...

    Ich neige nicht zum "Hintern versohlen". Wer die SZ bestellt, wird mit Abogebühr schon genug bestraft ! Außerdem ist diese Zeitung inhaltlich wie sprachlich eine Bereicherung, wenn man(n/frau) denn Zeit findet, diese regelmäßig zu lesen.

    Bayern in Zügen pflegen eher selten Skat zu spielen. Ich denke mal, zumindest den sichtbaren Karten nach zu urteilen, das es sich hierbei um Doppelkopf gehandelt haben könnte.

    Der "wagemutige Zugführer", bei dem es sich fachlich eher um einen "Eisenbahnfahrzeugführer" der DB Fernverkehr handelte, konnte dank moderner Technik zwischen Nürnberg Hbf (bzw. Abzweig Eibach) und München (bzw. Ingolstadt Nord) technisch bedingt auf der Neubaustrecke N-M leider gar nix "aufholen", weil hier eine Technik namens "LZB (Linienzugbeeinflussung)" den Zug "fährt" und dabei sehr genau auf die gefahrene Geschwindigkeit achtet.

    Ansonsten ein prächtiger 2. Teil des Reiseberichts, dem nun bloß noch der "Berichts-Arsch" von München Hbf über Augsburg Hbf, Ulm, Stuttgart Hbf, Mannheim Hbf, Frankfurt Flughafen Fernbahnhof, Köln Hbf, Solingen Hbf, Wuppertal Hbf, Hagen Hbf nach Dortmund Hbf fehlt.

    Es bleibt also spannend, und ich werde dankend wieder dabei sein, wenn es wieder heißt, LIES MEINEN TEXT !

    Nur das Allerbeste

    Agent M. von dribbdebach

    P.S.: Hoffentlich speichert "Doof-Google" den Text "

    P.P.S.: Ich kaufe Dir ein "n" ab (Zeile drei, letztes Wort im Fließtext)

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