Samstag, 21. April 2012

Q wie Qualifizieren oder Warum die Pisa Studie scheitern muss!

Gestern war in der Grundschule meiner Tochter (sie ist in der 1. Klasse) die Vorbesprechung der Lesemütter. Ich habe mich, teils aus Interesse, teils auch weil ich vormittags Zeit habe dazu bereit erklärt, mitzumachen. Irgendwie bin ich davon ausgegangen, dass wir Lesemütter in der Schule vorlesen. Was ja letztlich Quatsch ist, denn die Kurzen sollen ja schließlich selber lesen lernen.

Warum die Pisa Studie zum Scheitern verurteilt ist

Wir Lesemütter lesen also nicht in der Schule, sondern wir beaufsichtigen eine Kleingruppe an Schülern beim Selberlesen. Es handelt sich um eine spezielle Leseförderung, welche von Müttern/ Vätern übernommen wird, weil die Schule selber für solche Aktivitäten keine finanziellen Möglichkeiten hat. Qualifiziertes Personal kostet die Schule und dementsprechend dem Steuerzahler ja auch Unmengen an Geld! Meine Tochter ist eine von 30 Schülerinnen und Schülern, welche in einer stadtnah gelegenen Grundschule die erste Klasse besuchen. Bei dieser Anzahl an Kindern in einer Klasse, ist es schwer möglich, die individuellen Stärken und Schwächen des Einzelnen zu fördern.

Wir brauchen nicht noch mehr Kita-Plätze, damit Mütter von Zweijährigen schon arbeiten gehen können! Wer sonst sollte denn wohl die Förderung in der Schule übernehmen? Jedes Jahr zur Veröffentlichung der Pisa Studie geht ein Aufschrei durch die Nation. Politiker schlagen sich die Köpfe ein, wenn es darum geht, das Schulsystem zu verändern. Doch wie soll die Pisa Studie jemals Erfolg zeigen, wenn die Grundsubstanz in der Grundschule schon im Argen liegt???


NRW schneidet meist besonders schlecht ab bei Pisa

Eingangs erwähnt, besucht meine Tochter eine stadtnahe Grundschule. Hier bei uns im behüteten Iserlohn bedeutet das, einen hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund (obwohl ich dieses Wort echt nicht mehr hören kann!!!). In vielen Städten des Ruhrgebiets sieht das nicht anders aus. Natürlich kann man eine Grundschule im sächsich gelegenen Pirna nicht mit einer Grundschule im Dortmunder Norden vergleichen - und auch eine Grundschule in der Iserlohner Innenstadt hat ein anderes 'Klientel' als im ländlichen Iserlohn-Hennen. Und trotz allem: Dreißig Kinder sind für eine Grundschulklasse zuviel, egal wo sie gelegen ist. Hier bei uns ist es erst möglich eine Klasse mit 33 Kindern in zwei Klassen zu teilen. Sind es 32 hat man eben Pech gehabt. Das ist nicht nur der pure Stress für die Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch für die Kinder! Sie müssen sich erst an die neue Situation gewöhnen, brauchen noch viel Bewegung zwischen den einzelen Unterrichtseinheiten und lernen alle in einem unterschiedlichen Tempo.

Wie soll eine einzelne Lehrerin (ich verzichte jetzt mal auf den männlichen Begriff, denn diese sind in den Grundschulen Mangelware) die individuellen Bedürfnisse der Kinder berücksichtigen? Die Starken beginnen sich zu langweilen, die Schwachen kommen trotzdem nicht hinterher. Wo bitte ist denn das Problem, die Klassenstärke auf 20 festzulegen? Mehr Geld für die Bildung... pah... es hilft doch den Kindern nichts, wenn ihre Klassen multimedial ausgestattet sind, aber die Lehrer für ihre Ausbildung fehlen...

Kommentare:

  1. Es ist schon möglich, eine große Klasse differenziert zu unterrichten; das Problem für den Lehrer (die Lehrerin) ist allerdings dabei, dass sich der zeitliche Aufwand verdoppelt und verdreifacht, will sagen: Gerade Berufsanfänger müssten 80-100 Stunden die Woche arbeiten.
    Für einen differenzierten Unterricht sind häufig auch die Räumlichkeiten nicht geeignet, bzw. die Schule hat auch nicht die richtige Sozialstruktur. Die Schüler sind gezwungen, in ihren Gruppen zu bleiben. In einer Montessori-Schule läuft das ganz anders. Man hat jetzt in Berlin das Konzept, die Schüler von der ersten bis zur dritten Klasse in einer Klasse zu unterrichten, übernommen und verfolgt damit wohl den heimlichen Wunsch, eine Differenzierung durchzusetzen, die bisher häufig nicht von den Lehrern geleistet wurde.
    Es geht! Aber raus meiner eigenen Erfahrung frisst es einem alles andere auf.

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  2. Klar geht das! Wenn die Betonköpfe nicht ewig nur an ihre Sparschweine denken würden! Es gibt in NRW immer weniger Schüler (wie überall auch), immer weniger Anmeldungen und doch sind die Schulen nicht bereit umzudenken. Dass es Räumlichkeiten gibt (gerade in unserer Schule), daran ist nicht zu zweifeln. Denn im Zuge der 'Lesemütter' haben sich plötzlich unerwartet zwölf Räume aufgetan, die ungenutzt leer stehen... Gibt ja auch Praktikanten und Ehrenamtliche, die freiwillig helfen. Allerdings nur für eine begrenzte Zeit. Warum kann man nicht ein einfaches Konzept entwickeln, welches bundesweit eingesetzt wird, um die Kinder eher in der Anfangsphase zu unterstützen und zu fördern? Grrrrr

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