Montag, 16. April 2012

L wie Lauschen oder Die Fangesänge der Hertha-Anhänger im Zug

Nein, auch nach fast 3000 km Zugstrecke habe ich noch nicht genug vom Bahnfahren. Ich mag es immer noch. Zugfahren entspannt ungemein! Gut, es kann sein, dass ich mit dieser Meinung allein da stehe und in der nächsten Zeit, wird sein meine Reisebegeisterung auch etwas in Grenzen halten müssen, denn die Ferien sind vorbei und mein Job als Mama erfordert wieder die größte Aufmerksamkeit.
Allerding hilft Bahnfahren tatsächlich, um diverse Bildungslücken zu schließen. Das habe ich erlebt, als ich meine letzte Fahrt unternommen habe. Nun, die ist jetzt auch schon mehr als eine Woche her, aber das tut nichts zur Sache. Denn meine lustigen Mitfahrer habe ich noch gut in Erinnerung.

Es begab sich an einem schönen Samstagmorgen, halb neun in Berlin. Ich bestieg meinen Zug Richtung Heimat und mit mir stiegen etwa 30 blau-weiß-verkleidete Hertha-Fans in die Bahn. Gefühlt waren es mindestens 100, denn die Stimmung war morgens schon bombastisch! Von den Fans wurden diverse Bierkästen in das Abteil geschleppt, dazu johlten und grölten sie siegessicher vor sich hin. Wankend und schwankend schleppten sie sich regelmäßig an meinem Sitzplatz vorbei - auf dem Weg ihr oben hineingefülltes Bier, unten wieder hinauszulassen.
In Minden wechselte ich den Zug - mit mir taten dies die feucht-fröhlich-angeheiterten Hertha-Fans. Ich wurde sie nicht los, denn sie waren auf dem Weg nach Duisburg, Mönchengladbach... weiß der Geier, wohin... dahin, wo auch mein Zug mich bringen sollte. Und so wurde ich auf dem Weg von interessanten Fan-Gesängen begleitet, die mich bis in die Ohrenspitzen erröten ließen. (Ich als Fußball-Nix-Checker habe mich die ganze Zeit über gefragt, warum Sylvi van der Vaart in einem nicht jugendfreiem Text vorkam...)
Lustig wurde es erst, als unser Zug in Rheda-Wiedenbrück wegen einem verrückten Selbstmörder die Fahrt stoppte, die Fangesänge kleinlaut wurden und die angeheiterten Berliner mit einem Schlag nüchtern waren, sahen sie doch ihr ersehntes Fußballspiel gerade an sich vorbeiziehen. Sie stürmten, sie motzten, sie schleppten ihre Kästen hinter und vor sich her - in der Hoffnung eines der Schienenersatzfahrzeuge besteigen zu können. Während sie warteten wurden sie wieder etwas mutiger und die "Alte Dame an der Spree" bekam wieder lautstarke Unterstützung aus 30 Männerkehlen. Und da keiner mit den verrückten in einem Schienenersatzverkehrbus sitzen wollte, hatten die Kerle den Vortritt, stiegen singend in den Bus und haben hoffentlich ihr Spiel noch gesehen... (Auf der Rückfahrt werden sie wohl geschwiegen haben, denn die Hertha, ihre "Alte Dame" an der Spree hat verloren, da half dann auch kein harter P... wegen Sylvi van der Vaart...)

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