Samstag, 4. Februar 2012

K wie Krawall beim Essen

Jeder, der mindestens ein Kind hat oder jemanden kennt, der mindestens ein Kind hat, kann sich vorstellen, was Krawall beim Essen bedeutet. Dem Einen sind die Erbsen zu grün, dem Anderen die Karotten zu rund, manchmal gibt es Geschrei, wenn statt Kartoffeln Nudeln auf dem Tisch stehen und Essen, was zusammengewürfelt als Suppe in einem Topf ist, wird aus ästhetischen Gründen nicht angerührt. Nun können Mütter, Väter oder Großeltern über die Allüren der Kleinen nur milde Lächeln, wissen sie doch, es ist nur ne Phase.

Ganz anders sieht das schon bei Erwachsenen aus. Man stelle sich einen Raum vor, nicht besonders geschmackvoll eingerichtet - handelt es sich hierbei nämlich um einen Speisesaal eines Krankenhauses - mit vier Tischgruppen und Platz für etwa dreißig Leute. Drei Mahlzeiten am Tag werden vom Pflegepersonal liebevoll zubereitet, stilvoll angerichtet und mit einem Lächeln übergeben. Doch schon beim Frühstücksbuffet wird erste Unmut des Tages am Essen ausgelassen: Zu wenig Kaffee, zu viel Müsli, zu wenig Wurst, die Brötchen zu hart und das Brot zu weich...
Zur Mittagszeit wartet eine hungrige Schlange von Patienten vor der noch verschlossenen Speisesaaltür und überhäuft das Personal mit wüsten Beschimpfungen, warum die Tür denn zwei Minuten zu spät geöffnet wird. Der angewiderte Blick eines Einzelnen in die Suppenschüssel überzeugt 2/3 der noch Wartenden, dass die Suppe mal wieder ungenießbar ist. Und auch der Blick auf den täglich gefüllten Teller, hat keinen Einfluss auf die Laune der Patienten: Der Teller ist zu heiß, das Gemüse zu labberig, das Fleischstück zu klein, die Kartoffeln zu rund und der Nachtisch (!) zu wenig süß... Der volle Teller wird angeekelt im "Schweineeimer" versenkt!

Dabei muss ich das Essen im Krankenhaus echt mal loben! Es gab dort Dinge, die ich zu Hause niemals machen würde. Und das gab es auch noch fertig zubereitet. Außerdem konnte man täglich zwischen drei Gerichten wählen. So etwas gibt es bei mir zu Hause nicht. Und trotzdem war die "Fastfood-verwöhnte" Meute nicht zufrieden... Was haben die erwartet? Ein *****-Sterne-Hotel? Bei jeder Mahlzeit ging mir die Hutschnur hoch und ich habe gemerkt, was für ein Aggressionspotential in mir steckt... aber ich bin ja erwachsen!

Kommentare:

  1. Traurig, was manche Leute einfach nicht zu schätzen wissen... Die sollten mal richtig Hunger haben!!!

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  2. Die sind heutzutage alle zu sehr verwöhnt. Ich finde es auch respektlos der Küche gegenüber.
    Wenn es jetzt dreckig wäre - wie wir es auf Malle erlebt haben -, dann könnte man kleine Aufreger noch verstehen. Aber dein Bericht klang jetzt eher nach sauberer Küche und drei Mahlzeiten zum Auswählen. Mir selbst hatte es beim letzten Krankenhausaufenthalt auch bestens geschmeckt. Sollen die Meckerpötte doch erst einmal selbst hinterm Tresen stehen.

    In dem Zusammenhang fällt mir gerade der letzte Freitag ein. Wir waren vor dem Theater noch mit Schwiegereltern essen. Dort bediente uns eine super nette Kellnerin, mit der mein Schwiegervater herumflackste, wie wir ihn halt kennen. Die Kellnerin hatte ebenso viel Spaß und sagte am Ende zu uns: "Beehren Sie uns doch bald wieder. Solche fröhlichen Gäste habe ich in letzter Zeit so selten. Die Leute kommen schon mit schlechter Laune hier hin und motzen, wo sie nur können. Die Karte sei zu klein. Der Platz sei zu eng. ... Sie zählte noch einiges auf und schüttelte nur mit dem Kopf. Ja, wir schüttelten ebenso unser Haupt und sagten nur: "Diese Leute sollen echt zu Hause bleiben. Können `se doch dort rummotzen."

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  3. Die Krankenhausküche war grandios - und ich bezweifle, dass nur ein Bruchteil der dort anwesenden Meckerköppe an das Essen einer 5-Sterne-Küche gewohnt war... Aber ich habe selbst lange Zeit in der Gastronomie gearbeitet und weiß, was das für ein Knochenjob ist. Der Kunde ist immer König, auch, wenn er sich wie ein Arschloch verhält!!!

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    1. Hättest Du jetzt schöner kaum sagen können... :-)
      Übrigens: was hast Du eigentlichfür seltsame Zeiteinstellungen bei Deinem Blog? Kann das sein, dass Du 12 Stunden zu früh/spät dran bist? :-)

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  4. Man sollte die Leute, die du angesprochen hast, auch im Krankenhaus mit dem Fraß füttern, den sie ansonsten zu sich nehmen oder versuchen, selbst zuzubereiten. Dann, aber auch nur dann, hätten sie Grund sich zu beschweren. Ansonsten Klappe halten und dankbar sein, wenn man schon nicht in der Lage ist, Freundlichkeit zu zeigen, das wäre angebracht.
    Liebe Grüße
    Günter Jagodzinska

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    1. Die meisten von denen haben dann auch tatsächlich auf den üblichen "Fraß" zurückgegriffen und haben das leckere Wildgulasch mit Pfifferlingen und Kartoffelklößen gegen eine fettige Portion Pommes in der Cafeteria eingetauscht... daran waren sie ja gewöhnt... (hetz!!!) :-)

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