Dienstag, 4. Januar 2011

Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten eines Rasenmähers

Krrrrrrgh... Das leise Geräusch von auseinanderreißendem Stoff versetzte mich in Alarmbereitschaft. Eine signifikante Frage schoss mir durch den Kopf: An welcher Stelle könnte eine kaputte Hosen für den Träger der Selben grenzenlos peinlich werden? Klar! Kennen wir alle! Ist uns noch nie passiert...

Obwohl, da fällt mir ein, es ist doch schon mal Jemandem passiert. Dieser Jemand musste an einem lauen Juni-Nachmittag mit Hilfe einer viel zu kleinen Leiter in den ersten Stock eines Mehrfamilienhauses einbrechen, weil ein gewisser anderer Jemand beim Schließen der Tür den Schlüssel nicht mit nahm. Dieser wurde einfach am Schlüsselbrett hängen gelassen, nicht mehr beachtet und als die Tür ins Schloss fiel, war da plötzlich ein Lichblitz der Erkenntnis. Doch zu spät! Es war auch nicht irgend ein Tag, an dem dies passierte. Die Hochzeit meines besten Freundes: Wir aufgebrezelt, gestylt, die Kinder in die Sonntagsklamotten gesteckt und dann so etwas... Wenn etwas schief geht, dann gleich richtig. Zum Glück war die Balkontür auf Kipp! Ein Hoch auf Dreh-Kipp-Fenster... Ohne kleinkriminelles Vorwissen kann so ein Einbruch schon mal länger dauern und so konnten wir nach einer mühevollen Stunde, dem Spott der gesamten Nachbarschaft ausgesetzt, wieder in die Wohnung. Die Lacher auf unserer Seite, die gute Hosen am Arsch kaputt und die Stimmung auf dem Nullpunkt... Der perfekte Zeitpunkt, um auf einer Megahochzeit mit mehr als 200 Leuten eine Geschichte wie diese zu erzählen. Der wirklich angefressene Jemand mit der kaputten Hosen schmollte jedoch den Rest des Tages, keine Möglichkeit mehr auf die Party zu gelangen. Der andere Jemand sah seinen Fehler nach einigen Minuten des Trotzes ja ein... aber bitte schön, so etwas kann doch jedem mal passieren...


„Ich hab ne Idee!“ flötete unsere hilfsbereite Nachbarin mit einem Blick in ihren Garten, der direkt unter unserem Balkonfenster sein tristes Dasein fristete. „Du könntest den Rasen mähen, um dich abzulenken!“ Ich sah sie an, sie sah mich an. So wie es den Anschein erweckte, meinte die gute Frau das tatsächlich Ernst. „Du meinst jetzt?“ „Klar, du hast doch jetzt nichts mehr vor, oder?“ Etwas verdutzt schüttle ich den Kopf. Kurz darauf erschien sie mit dem Rasenmäher... Ich hatte vorher noch nie einen Rasenmäher bedient und eigentlich wollte ich damit heute nicht anfangen... „Hier, du musst nur an dem Hebel ziehen, den Knopf gedrückt halten und ja nicht über die Verlängerungsschnur fahren!“ erklärte sie mir gutgelaunt, zündete sich eine Zigarette an und überließ mir ihren verwilderten Garten. „Du könntest 'SORRY' in den Rasen mähen“, schlug ihre halbwüchsige Tochter vor, die sich das Schauspiel bisher nur aus der Ferne angesehen hatte. „Wie? Hier in den Rasen?“ fragte ich erstaunt. „Also die Freundin meines Kollegen, dessen Tante hatte eine Schwester, bei der hat es funktioniert... Vielleicht verzeiht er dir ja dann!“ Schweigen. Ich sagte nichts. Der Rasenmäher hörte auf zu schnurren und erst nach kurzer Pause jubelte unsere Nachbarin über diesen grandiosen Einfall. Derweil hatte die andere Nachbarin von oben drüber ihren Kopf über die Brüstung gehalten. „Seid ihr nicht weg?“ fragte sie dröge. Wüste Verwünschungen in meinem Kopf fanden ihr Ventil in dem laut röhrenden Rasenmäher. „Uns kam etwas dazwischen“, zischte ich zwischen den zusammengebissenen Zähnen hindurch, voll konzentriert, damit das 'S' aus SORRY besonders schön wird. Ich überließ die Erklärung meiner fürsorglichen Nachbarin, die mir derweil einen Kaffee gemacht hatte... Das 'O' ging noch ganz einfach, doch beim 'R' bekam ich leichte Schwierigkeiten... und beim 'Y' war das Rasenstück zu Ende, ich hatte es etwas zu gut gemeint! So stand in großen Lettern SORRY im Rasen unserer Nachbarn, was mir allerdings nicht viel half, geschmollt hat er trotzdem!

Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass meine Hosen dieses blöde Geräusch auch gerade von sich gab und ich so direkt im ersten Monat des Jahres meine Lieblingsjeans verlor... Es war zwar nur ein kleines Loch am Knie, welches sich im Laufe des Tages jedoch in ein ausgewachsenes Riesenloch verwandelte. Jetzt muss ich einkaufen gehen... ich hasse es einkaufen zu gehen...

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