Donnerstag, 30. Dezember 2010

Als "Wutbürger" durch das winterliche Straßenchaos

Mit dem viel zu verfrühten Eintreffen der Schneemassen in unseren gemäßigten Breitengraden, fror auch jeglicher Verstand in den Köpfen der Menschen ein. Die fehlende Umsicht, die mangelnde Weitsicht und die unverfrorene Selbstsucht der hiesigen Mitmenschen macht mich glatt zum „Wutbürger“. Und damit stehe ich nicht allein da, denn dieses Wort wurde 2010 zum „Wort des Jahres“ gekürt. Nur der eigentliche Hintergrund dazu ist bei mir etwas verschoben: Statt „Stuttgart 21“ haben wir „Winter in Iserlohn 2010“!

Und was mich dabei wütend macht, ist die Tatsache, dass völlig anständige, rechtschaffene Mitbürger zu gemeinen Verkehrsrowdies werden. Unbeirrt werden die Verkehrsregeln ignoriert, mit Füßen getreten und schlechtweg in den verschneiten Ecken liegen gelassen. Die schlimmsten Übeltäter sind in der Generation 60+ zu finden. Streng nach dem Motto „Wer war wohl eher da?“ gelten für Rentner und solche, die sich dafür halten, ganz andere Maßstäbe und Regeln. Sie bremsen grundanständige Autofahrer am Berg aus, so dass diese den Weg im Rückwärtsgang zurücklegen müssen. Sie laufen dir mit ihrem Gehwägelchen vors Auto und fühlen sich von der unverschämten Jugend noch bedroht. Dabei wäre die Ampel keine 10 Meter entfernt gewesen, die sogar auf Knopfdruck von Rot auf Grün schaltet... Aber nein, die Herrschaften müssen ja hier, ja, genau hier an dieser Stelle die Straße überqueren...

Ein anderer Tatort, jedoch das gleiche Prinzip: Absolute Ignoranz auf Seiten der Fußgänger! Ich fahre auf schneeglatter Fahrbahn die Straße entlang, es dämmert bereits, die ersten Laternen glänzen mit hellem Schein. Von Weitem erkenne ich eine junge Mutter, die rechts und links jeweils ein Kind an der Hand hält und Anstalten macht, die Straße zu überqueren. Als verständnisvolles Muttertier lass ich die junge Frau am Straßenrand natürlich rüber. Das ist doch selbstverständlich! Was ich allerdings nicht wusste und niemals für möglich gehalten hätte: Die Gute hatte gar nicht vor ÜBER die Straße zu gehen. Nein! Sie stöckelte mit ihren Sechs-Zentimeter-Pfennigabsätzen die geräumte Fahrbahn entlang, die Kinder im Schlepptau und hielt damit den gesamten Verkehr auf. Selbst, als ich vorsichtig den Motor aufhusten ließ, fühlte sie sich in ihrer Ruhe überhaupt nicht gestört. (Wirklich, es war nur ganz vorsichtig! Wer weiß, nachher hüpft sie mir vor Schreck noch auf die Motorhaube und hängt mir ein gebrochenes oder verstauchtes Fußgelenk an den Hals...Nach den Punkten vom Wetzlarer Kreuz kann ich mir das nicht erlauben!) Sie blickte sich kurz um, schüttelte den Kopf und stakste weiter die geräumte Straße entlang. Was soll man dazu sagen? Hinter mir ein Chaos aus hupenden, nervösen Autofahrern, vor mir die Dame mit unpassender Beschuhung, die sich die Füße nicht nass machen wollte...

Schlimmer sind eigentlich nur noch die Autofahrer, die mitten auf der vereisten Fahrbahn stehen bleiben, in zweiter Reihe parkend ein Brief in den Briefkasten schmeißen und in einer Seelenruhe wieder in ihr Fahrzeug steigen, ohne sich über die angestaute Schlange im Rückspiegel Gedanken zu machen.


Und da soll man nicht zum „Wutbürger“ werden!!! Grrr...

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