Sonntag, 5. September 2010

Geschichten aus der Gemeinschaftsdusche...

Wenn ich groß bin, werde ich ein Badezimmer!
Not macht erfinderisch, diesen Spruch werden wir uns sicherlich irgendwann in Stein meißeln lassen, trifft er doch in unserer Situation mal wieder den Nagel auf den Kopf. Nachdem endlich das Projekt "Heißes Wasser für alle Körperteile" so kurz vor dem Durchbruch stand, kam uns Murphys Gesetz mal wieder in die Quere... So müssen wir uns jetzt doch zu aller erst dem altbekannten Projekt "Stromanschluss XXL" zuwenden. Dieses kleine Hinderniss führt nun allerdings dazu, dass Familie E. nun doch noch eine Woche länger als geplant an etwa 3 bis 5 Tagen in der Gemeinschaftsdusche im Schwimmbad anzutreffen ist.



Apropos Gemeinschaftsdusche, da fällt mir doch noch eine passende Geschichte zu ein, die sich vor Jahren mal in einer solchen abgespielt haben soll...




1995: Borussia Dortmund wurde Deutscher Meister, Franz Beckenbauer durfte die Bayern umher scheuchen, Helmut Kohl, der Einigkeitskanzler war noch Deutschlands Oberguru, während BSE als Schreckgespenst durch die deutschen Supermarktfleischtheken kursierte und von der Schweinegrippe noch nie jemand etwas gehört hatte. Damals, ja, damals war die Welt noch in Ordnung.
So trug es sich zu, dass an einem schönen sonnigen Samstag Nachmittag zwei junge Kerle die Tennis- und Squasch-Halle im Dortmunder Stadtteil Westhofen aufsuchten, um sich ein wenig abzureagieren. Während Westhofen dem Ein oder Anderen nur als unliebsames Nadelör auf der A1 beziehungsweise A45 bekannt sein dürfte, welches man zu den Stoßzeiten am Morgen und am Nachmittag meiden sollte, so hat diese Tennishalle nichts damit zu tun. Sie ist von der Autobahn gar nicht zu erreichen! Die beiden jungen Männer trafen sich selten zum Sport. Das sie heute gingen war reiner Zufall. So, wie es manchen Zufall im Leben gibt, bei dem sich der normalsterbliche Erdenbürger nachdenklich am Kopf kratzt und sich die Frage nach dem WARUM stellt. Die Beiden fragten sich so etwas allerdings nicht. Dem Schicksal tief in die Augen blickend, glaubten sie sowieso nur dem Einen, der die Fäden aller Menschen in den Händen hält und weit mehr drauf hat, als es der Zufall je haben wird.

Die beiden Männer: Davon einer etwa 20 Jahre alt, blond, blauäugig und von attraktiver Gestalt, der Andere mit schwarzen Locken und blassgrauen Augen etwas älter, was jedoch nicht weiter auffiel. Sie gingen nun also nach etwa drei Runden Power-Drink-Xtreme-Stemmen mäßig schwitzend unter die Dusche. Es war eine schöne Dusche, weiß-blau gekachelt mit blitzenden nach Edelstahl aussehenden Plastikduschköpfen, einem weißen Holzimmitat-Regal und nur vereinzelten Stockflecken in den Ecken. Mit ihnen betraten noch zwei weitere Männer mittleren Alters die Gemeinschaftsdusche der Tennishalle. Die blonden Haare leicht angesilbert, allerdings adrett frisiert. Für Männer ihres Alters gut gebaut, muskulös und drahtig bis in die Zehenspitzen.

"Pst...", zischte der Blonde dem Schwarzen unter dem laut plätschernden Wasserstrahl zu. Die Augen weit aufgerissen, versuchten dem Gegenüber etwas höchst Dringliches mitzuteilen. Der Andere reagierte allerdings verhalten auf das peinliche Gehabe des Freundes, kein Zucken, kein nennenswerter Augenkontakt, keine Reaktion.
Gemütlich, ohne sich um die anderen Duschnachbarn zu kümmern, schäumte sich der Schwarzhaarige mit Duschgel ein, denn er hatte wieder einmal sein Shampoo vergessen.

"Pst... Psssst..." Energisch pischperte der Blonde unter der Dusche. Seine immer größer werdenden Augen starrten durchdringlich und sein Kopf begann wild nach rechts zu zucken.

WAS hat der bloß? fragte sich der derweil sein Freund, der sich gerade unter dem wohlig warmen Wasser den Schaum aus den Haaren wusch.

"Pst... da..." Und dann zuckte sein Kopf wieder nach rechts, während er die Lippen fest aufeinander presste. Die beiden Männer mittleren Alters schnappten sich ihre Handtücher und sahen den Schwarzhaarigen bedauernswert an. Dieser zuckte nur mit den Achseln und machte ein entsprechend verwirrtes Gesicht, denn er wusste doch selbst nicht, was in seinen Kumpel gefahren sein sollte. Ob wohl etwas im Fitness-Drink war? Er selbst hatte Kirschgeschmack, langweilige Sorte, allerdings wusste er dabei, was ihn erwartete. Vielleicht waren es immer nur die irren Sorten, wie Zitrone-Blaubeer-Kiwi, die einen unangenehmen Nebeneffekt auf den Sportbegeisterten haben.

Als die Mittelmänner die hübsche blau-weiß gekachelte Dusche verließen, landete eine fast leere Shampoo-Flasche am Kopf des Schwarzhaarigen. "Hey! Spinnst du, Mann?" "Bist du blind?" "Hä?" "Weißt du wer das da eben war?" "Nö! Wer denn?" "Man, bist du blöd. Das war Ottmar Hitzfeld. Nackt!" "Ja, echt..." "Das habe ich doch die ganze Zeit gesagt, nur du hast es nicht kapiert!" "Dann hinterher, vielleicht erwischen wir ihn ja noch in der Kabine..."

Haben sie aber nicht! Und die Moral von der Geschichte: Machmal ist eben im Fitness-Drink doch nur Zitrone-Blaubeer-Kiwi-Geschmack drin, dafür steht jedoch irgend ein Promi gerade nackt hinter dir. Dreh dich nur mal um!

So, ich muss los. Das Schwimmbad schließt gleich...

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