Dienstag, 20. Juli 2010

Tizian macht's möglich

Bei der Überlegung, welches Buch diese kleine Serie beginnen soll, musste ich nicht lange überlegen. Ein dünner unscheinbarer weißer Einband mit dem berühmten "Dogen Francesco Venier" von Tiziano Vecellio lag oben auf einer der beiden Bananenkisten und starrte mich mit seinen alten Augen aus einem hageren Gesicht an. In einer schwarzen Sprechblase formulierten sich die Wörter "Tizian macht's möglich". Mein Interesse war geweckt, erkannte ich doch das Bild des berühmten Künstlers und auch der Begriff Tizian war mir bekannt. Und doch stellt sich mir die Frage, was eine 97jährige Frau mit solch einem Buch angestellt hat. Welchen Humor muss sie bessen haben?


Ich zitiere einige Teile des Vorworts aus dem Buch der "Konsumenten", wie S. Sattelschlepper, der Verfasser, sein Publikum selbst liebevoll betitelt:

"Jene halten stets den Tiger im Geist des Weines versteckt, birkeln mit weiteweltduftender Waschkraft wie der lichte Tag, sind auf allen Straßen aus Erfahrung gut... und manchmal wissen sie sogar das Puschkin ein echter Dichter ist..."

Ein Buch für Konsumenten also, mit einer recht großen Portion Humor, gewagt, aber sehr unterhaltsam. Die klassischen Kunstwerke wurden in keinster Weise verschandelt. Ihre eigentliche Aussage wird durch die Reklamesprüche unter den Bildern nur etwas (bis ganz schön doll) abgewandelt. Und weil es so schön ist, wurden die Sprüche viersprachig aufgeführt, damit auch die Briten, Franzosen und die Russen über unsere deutschen Werbesprüche lachen können...

Ich habe einfach mal eine kleine Auswahl an Bildern zusammengestellt. In dem netten kleinen Bildband sind etwa 60 Kunstwerke durch Werbesprüche verfeinert worden. Da dieses Buch aus dem Jahre 1967 stammt, sind die Sprüche nicht mehr so ganz aktuell, verfehlen aber in keinem Fall ihre Wirkung.

1. Mein absoluter Favourit:
Antonio del Pollaiuolo (1429-1498), David mit dem Haupte des Goliath



"Im Falle eines Falles, klebt Uhu wirklich alles."

2. Dann, etwas makaber:
Edouard Manet (1832 - 1883), Die Erschießung des Kaiser Maximilians



"Hoffentlich Allianz versichert."


3. Jetzt vielleicht noch etwas aktuelles:
Albrecht Dürer (1471-1528), Ritter, Tod und Teufel



"Fahr lieber mit der Bundesbahn"


4. Und zum Schluss noch etwas Nettes:
Anselm Feuerbach (1828-1898), Hafis am Brunnen



"Frag den Mann von Mannesmann."


5. Einen habe ich noch: Jan van Eyck (1390-1441), Vermählung des Giovanni Arnolfini




"Schappi, damit's ein Prachtkerl wird."

Ich habe wirklich gesucht, aber dieses Buch ist nicht mehr auffindbar. Echt Schade. Vielleicht sollte es eine Neuauflage geben. Werbung haben wir ja genug...

Kommentare:

  1. Das ist ja wirklich klasse! Würde ich mir gern mal in Natura anschauen dieses Werk. Habe es leider auch nicht gefunden, könntest Du mir mal die Titelseite bzw. das Deckblatt als Scan zukommen lassen? Mein Ehrgeiz ist gepackt ;-)

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  2. Klar, kein Problem! So etwas habe ich auch noch nicht gesehen. Manchmal sind die Texte ganz schön makaber, aber echt witzig.

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