Donnerstag, 29. Juli 2010

Ich sehe was, was du nicht siehst...

"... und das ist klein. Und manchmal ist es auch groß. Es ist braun mit weiß, hat Federn und lebt auf einem Baum." "Ein Eichhörnchen!" "Nein, das hat doch keine Federn." "Ein Hase." "Nein, nein, nein. Versuch es noch mal!" "Ein Schmetterling?" "Doch kein Schmetterling!" "Ich weiß es nicht, sagst du es mir?" "Es ist ein Eisbär-Indianer-Tier!" "Neeeeiiiin, das geht doch gar nicht! Stimmts, Mama, es gibt keine Eisbär-Indianer-Tiere!" Mit entsetztem Miene erklärt mir meine Fünfjährige, dass es solche Tiere überhaupt nicht geben kann. Und überhaupt, ihr kleiner Bruder hätte keine Ahnung und wäre sowieso noch ein Baby! "Gaaaaar niiiicht, stimmts?" Ich schüttele den Kopf. "Da siehst du es, Mama hat gesagt es gibt Eisbär-Indianer-Tiere!" Habe ich das? Ich habe aber eigentlich gemeint, dass unser Mittelkind kein Baby mehr ist... Ups, schon wieder in die Ich-will-nicht-schlafen-Falle getreten, mitten hinein und die Diskussion war im Gange, so wie jeden Abend.

"Du hast keine Lust auf Stress am Abend!" rede ich mir ein und setze ein freundlich gequältes Lächeln auf, damit sie nicht merken, dass ich mich wieder einmal selbst ins Abseits gestellt habe. "Also ich habe davon gehört, dass diese Indianer-Eisbär-Tiger hier im Iserlohner Stadtwald schon einmal gesehen wurden!" "Gar nicht!" protestiert meine Große. "Es gibt nur Hirsche und Hasen im Wald." "Dann hast du also schon einmal einen Hirsch im Wald gesehen?" "Bambi ist ein Hirsch!" Ach ja, das wieder. Ich vergesse doch immer wieder, dass bei Fünfjährigen der Sinn für Realität und Fiktion noch nicht vollständig ausgebildet ist. NICHT DRAUF EINGEHEN, NICHT DRAUF EINGEHEN höre ich meine innere Stimme in den schrillsten Tönen rufen. "Aber Bambi..." Nein, diesmal höre ich besser auf meine Stimme. Ich habe noch einen Berg Bügelwäsche und eine halb ausgeräumte Spülmaschine, die sich bereits von mir vernachlässigt fühlen.

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