Montag, 22. Februar 2010

Verweste Gurke im Einmachglas

Heute habe ich etwas besonders Ekliges aus dem Kühlschrank gefischt. Es war ein Glas mit einer einsamen verwesten Gurke darin. Keiner weiß wie lange dieses arme Gemüse dort schon so vor sich hin gammelte, aber ein Blick auf das Mindeshaltbarkeitsdatum versprach nichts Gutes!

Hm, lecker, Spreewaldgurken esse ich besonders gern. Wenn ich nicht gerade die originalen Gurken bekomme aus dem Fass bekomme, weil der Weg in den Spreewald doch recht lang ist und sich der Aufwand für eine handvoll Gurken nicht lohnt, greife ich gern auf ein Glas zurück. Da heißt es auch Original, aber vom Fass schmeckt es doch besser!

Zurück zu meiner einsamen Gurke, herrlich eingelegt in einen Sud aus Essig, Wasser und verschiedenen Gewürzen, wage ich es nicht den Deckel zu öffnen. Das traurige Gemüse im Glas sieht aus, als würde es um Gnade bitten. Schmeiß mich doch endlich weg, verdammt, du isst mich doch sowieso nicht mehr! Ob man das Ding noch essen kann, schoss es mir durch den Kopf. Aber ein kurzes Schütteln des Glases hielt mich davon ab, denn der milchig trübe Sud schwenkte langsam und zäh umher. Mein Kopf sagte: NEIN, NICHT ESSEN.

Dabei hatte alles so schön angefangen. Die ersten Gurken verschwanden auch sehr schnell in unseren Bäuchen. Außer den Kindern, die angeekelt die Nase rümpfen, wenn diese Spreewälder Köstlichkeiten auf dem Tisch stehn, essen wir gern solche Gurken. Immerhin sind dort meine Wurzeln und mit dem Biss in eine solche Gurke fühle ich mich der alten Heimat doch wieder ein Stück näher. Aber das Glas ist uns zu weit nach hinten gerutscht im Kühlschrank, versteckte sich hinter den leuchtend roten und orangenen Gläsern mit Glee, Marmelade und Mus aus dem großmütterlichen Garten.

Aber ich gebe auch zu, dass dieses kleine Gürkchen regelmäßig auf dem Tisch stand, es aber niemand beachtete. Ja und so wurde es dann jedes Mal wieder zurück in den Kühlschrank geräumt, bis ein Schlaufuchs das Glas soweit nach hinten schob, dass es keiner mehr beachtete.

Ich schäme mich sehr, denn diese arme alte Gurke, musste ein Dasein fristen in einer kühlen nassen Zelle, unbeachtet, ungegessen vegetierte sie so dahin, bis sie nicht mehr zu genießen war. Was das wohl zu bedeuten hat? Ich werde darüber nachdenken.

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