Donnerstag, 16. Mai 2013

Kichererbsen: Die Kinderarzt-App

Dank pollenverschmutzer Frühlingsluft, habe ich mich mit dem Mittel-Minimonster zum Kinderarzt begeben, um seine Jahresration an Augentropfen und sonstigem Allergiker-Krempel zu ordern. Im Normalfall rufe ich kurz vorher an und bestelle mir ein Rezept, ohne dass mein Kind und ich auch nur in die Nähe des Wartezimmers kommen. Diesmal ging es leider nicht, darum saßen mein Minimonster und ich an einem Freitag morgen in einem überfüllten Wartezimmer zusammen mit mehreren ansteckenden Bazillenschleudern...



Hinter uns kam das Wartezimmer in Bewegung. Ein fröhlich glucksendes Kleinkind verwandelte sich innerhalb weniger Minuten zu einer schreienden Furie, als Mama ihm die Jacke ausziehen wollte. Unerwartet warf sich der Dreikäsehoch mit hochrotem Kopf auf den PVC-Belag und strampelte sich die Lauflernschuhe von den Füßen. Geballte Fäuste schlugen abwechselnd auf den Boden, während die zorntriefende Stimme gegen die Ungerechtigkeit anschimpfte. Als er die Stirn seines weißblonden Kleinkind-Kopfs als Rammbock benutzte, um seinen Unmut in der Allgemeinarztpraxis von Doktor Irgendwas unter uns kundzutun, schritt nun endlich auch die Mutter ein. Mit einem Trick.

Sie zückte ihr Smartphone. Der Kleine schielte nach oben. Sie begann zu tippen und zu schieben. Der Kleine guckte immer noch. Dann ertönten die ersten Zeilen aus einem Lied des Disney-Klassikers "König der Löwen". Blitzartig rappelte sich der kleine Schreihals vom Boden hoch und krabbelte zu Mama auf den Sitz. Zu "Hakuna matata" ließ sich der Knirps endlich auch aus seiner Jacke pellen.




Gesegnet sei der Erfinder des Smartphones. Gelobt seien die Macher von Apps & Co. Zu meiner Zeit gab es noch Kinderspielzeug und Bücher beim Kinderarzt. Heute sind diese vorsinnflutlichen Gegenstände aus fast jeder Arztpraxis verschwunden. Man braucht nur ein Smartphone und alle sind glücklich. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich die Kurzen beim Kinderarzt irgendwelche Krankheiten geholt haben, weil sie mit dem gleichen Spielzeug, wie das wegen Grippe im Wartezimmer sitzende Kind gespielt haben. Vorbei sind die Zeiten, wo Kinderbücher beim Arzt Abnutzungsspuren aufwiesen und regelmäßig ersetzt werden mussten.

Es lebe der Fortschritt!!!





Montag, 13. Mai 2013

Schnapp-Wort Woche #19: L wie Lurch

Nachdem ich in den letzten Schnappwortwochen etwas nachlässig war, steige ich in Woche 19 wieder ein. Wer nachlesen mag, was in Woche 18 bei Sunny so los war, kann dies gern HIER tun. Nun also zu meinem Schnapp-Wort:

L wie Lurch
Der Lurch - stammesgeschichtlich eins der ältesten klassifizierten Landwirbeltiere, auch als Amphibie betitelt. Meist nachtaktiv, um sich vor Fressfeinden und den bösen wasserentziehenden Sonnenstrahlen zu schützen.
Die Tiere haben einen flachen Schädel und einen oft reduzierten Knochenbau; so fehlen den meisten – insbesondere den höheren Froschlurchen – beispielsweise echte Rippen. (Quelle: Wikipedia)
Den Begriff "Lurch" konnte ich mir aus meiner Schulzeit eher in Erinnerung rufen, als den, der "Amphibie". Auch, weil er zu meiner Zeit noch als Schimpfwort genutzt wurde. Ein Lurch, das war jemand ohne Rückgrat. Jemand, mit dem man machen konnte, was man wollte, der sich nur mäßig gewährt und somit selbst zum "Opfer" ernannt hatte. Heute wissen die Chrasher und Häuptlinge nicht einmal, dass es Lurche nicht bei Magges im Happy Meal gibt! Für sie reicht ne Krawallbrause, um einem Gesichtelfmeter zu dizzen...


Im folgenden Lied, habe ich den "Lurch" allerdings noch entdeckt:

Mittwoch, 17. April 2013

Kichererbsen: Julius-Alexander, der Schlägertyp


Der Göttergatte ist ja Pädagoge. Und der sagt immer: Wenn ich den Namen eines Kindes höre, weiß ich welche Schulform es besucht!


Dann bin ich mal gespannt, was er zu Julius-Alexander sagt. Diesen Jungen habe ich gestern während des Handballtrainings der Minimonster kennengelernt. Julius ist ein ganz normaler Junge, dachte ich, als wir uns in der Umkleidekabine begegneten. Während meine Monster meuterten, weil sie sich selbstständig aus- und umziehen sollten, übernahm Julius' Mutter diese Aufgabe wie selbstverständlich. 

Jack-Wolfskin-Jacken-Träger Julius - der Größe nach zu urteilen, würde ich ihn auf sieben Jahre schätzen - saß kleinlaut in der Kabine und ließ sich von Mama die Schuhe zu binden. Sein blonder Haarschopf erinnerte mich an "Michl aus Lönneberga", seine Adidas-Shorts eher an einen gut situierten Mittelstands-Sohnemann mit guten Manieren und prall gefülltem Freizeitprogramm.

Nachdem Mama ihm mit Spucke und einem echten "Tempo" die zarten Gesichtshaut reinigte, verabschiedete sie sich mit einem lauten Schmatzer. Umgehend verschwanden die vorher zur Schau getragenen Manieren und Julius mutierte mit einem frechen Grinsen zu dem Jungen, den ich in seinem Haarschopf von Anfang an vermutet hatte. Meine Jungs waren derweil fertig mit meutern und hatten sich in ihre Null-Acht-Fünfzehn-Turnklamotten geworfen. Bei einem schaute das Unterhemd hervor und der andere hatte seine Schuhe verkehrtherum an - aber, sie hatten es allein vollbracht. Nicht so Julius. Leicht stolz betrachtete ich meinen Nachwuchs. Nicht besonders schick, aber selbstständig!

Aber Julius konnte noch mehr ...nicht: Zuhören, still den Anweisungen folgen und den Erwachsenen Trainern mit dem nötigen Respekt begegnen. Julius schlug einem Kind den Ball aus der Hand, verwickelte ein anderes in einen Boxkampf und war dabei ständig in Bewegung. Den Ermahnungen des Trainers zum Trotz, tat er es wieder und wieder und wieder. Weshalb er wohl die meiste Zeit des Handball-Trainings ohne Ball am Spielfeldrand saß... Julius - dieser Name verfolgte mich noch den halben Abend lang. Was ständig wiederholt wird, prägt man sich eben schneller ein. Nur bei Julius nicht.

Kaum wurde er jedoch von Mercedes-C-Klasse-Mama am Ende der Stunde abgeholt, verschwand das ADS-Hörnchen hinter seiner stillen Fassade. Gefügig ließ er sich die Schuhe aufbinden, ließ sich aus seinen Sportklamotten in seine Jack-Wolfskin-Jacke stecken und trottete geistesabwesend hinter Mama her. 

Was sagt uns das???



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